ChatGPT ohne Verlauf: der temporäre Chat

Titelfolie: ChatGPT ohne Verlauf

Verfasst von

in

Du willst ChatGPT mal schnell etwas fragen, das nicht für immer in deiner Chat-Liste stehen soll? Genau dafür gibt es den temporären Chat – quasi den Inkognito-Modus von ChatGPT. Hier erfährst du, wie du ihn einschaltest, was er wirklich verspricht und wo seine Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein temporärer Chat taucht nicht in deinem Verlauf auf, wird nicht fürs Training genutzt und legt keine neuen Erinnerungen an.
  • Seit Ende August 2026 entscheidest du vor der ersten Nachricht, ob ChatGPT deine gespeicherten Infos nutzen darf – danach lässt sich das nicht mehr ändern.
  • Wirklich sofort weg ist der Chat nicht: OpenAI darf eine Kopie bis zu 30 Tage aus Sicherheitsgründen aufbewahren.
  • Passwörter, PINs und ähnlich Geheimes gehören trotzdem in keinen Chat.

Wofür ist der temporäre Chat gut?

Ganz normale Chats bleiben in ChatGPT gespeichert, bis du sie löschst. Und wenn die Erinnerungsfunktion (Memory) aktiv ist, merkt sich ChatGPT Dinge über dich und greift später darauf zurück. Meistens ist das praktisch. Manchmal aber nicht: etwa wenn du ein Geschenk für die Person planst, mit der du dir den Laptop teilst, wenn du eine einmalige Frage hast, die nichts mit deinem Alltag zu tun hat, oder wenn du einfach eine Antwort ohne deine bisherigen Vorlieben haben willst.

Laut OpenAI-Hilfe-Center gilt für einen temporären Chat, solange er temporär bleibt: Er erscheint nicht in deiner Chat-Liste, er fließt nicht ins Training der KI-Modelle ein und er erzeugt oder verändert keine Erinnerungen. Wenn du ihn verlässt, kannst du ihn auch nicht über den Verlauf wieder aufrufen.

So schaltest du ihn ein

  1. Öffne ChatGPT im Browser oder in der App und starte einen neuen, leeren Chat.
  2. Tippe auf den Knopf „Temporär“ (englisch „Temporary“). Im Browser sitzt er laut OpenAI oben rechts; je nach App und Gerät kann die Position leicht abweichen.
  3. Wähle vor deiner ersten Nachricht, ob der Chat personalisiert sein soll (mit Erinnerungen, eigenen Anweisungen und Plugins) oder nicht. Laut OpenAI ist „nicht personalisiert“ die Voreinstellung.
  4. Schreib deine Frage – fertig. Willst du das Gespräch später doch behalten, kannst du es nachträglich als normalen Chat speichern.

Beispiel-Prompt zum Kopieren

Ein Klassiker für den temporären Chat: eine Überraschung planen, ohne dass ChatGPT dir später ungefragt Geschenktipps einstreut. Wähle dafür am besten „nicht personalisiert“.

Ich plane eine Überraschungsparty zum 40. Geburtstag meiner Schwester.
Rahmen: 20 Gäste, Budget etwa 400 Euro, Samstagabend bei uns zu Hause.
Sie mag Jazz und italienisches Essen, steht aber ungern im Mittelpunkt.
Bitte gib mir:
1. eine Checkliste mit Aufgaben in sinnvoller Reihenfolge
2. drei Ideen für ein Motto
3. eine kurze Einladung, die nichts verrät, falls sie sie zufällig sieht.

Namen, Adressen oder Telefonnummern brauchst du dafür übrigens nicht – lass sie einfach weg.

Typische Fehler

  • Zu spät umgeschaltet: Ob deine gespeicherten Infos genutzt werden, legst du nur ganz am Anfang fest. Mitten im Gespräch geht das laut OpenAI nicht mehr – im Zweifel lieber einen neuen temporären Chat öffnen.
  • „Personalisiert“ mit „gespeichert“ verwechseln: Ein personalisierter temporärer Chat darf deine vorhandenen Erinnerungen lesen. Neue Erinnerungen legt er trotzdem nicht an.
  • Aus Versehen gespeichert: Sicherst du den Chat in deinem Verlauf, wird er zum ganz normalen Chat. Dann gelten wieder deine üblichen Einstellungen – inklusive Training, falls du das nicht abgeschaltet hast, und Erinnerungen, falls Memory an ist.
  • Antwort weg: Wer einen temporären Chat schließt, ohne ihn zu speichern, findet ihn nicht wieder. Wichtige Ergebnisse also vorher herauskopieren.

Grenzen, Kosten, Datenschutz

Kosten: Extra zahlen musst du für den temporären Chat nicht. OpenAI beschreibt ihn ohne Einschränkung auf bestimmte Tarife – nach allem, was bekannt ist, steht er also auch in der Gratis-Version bereit.

Ganz weg ist er nicht sofort: Temporär heißt nicht „wird nie gespeichert“. Laut OpenAI kann das Unternehmen eine Kopie des Gesprächs bis zu 30 Tage lang aus Sicherheitsgründen aufbewahren. Deine Nachrichten werden außerdem ganz normal auf OpenAIs Servern verarbeitet, sonst könnte ChatGPT ja nicht antworten. Der Modus ist also ein Schutz vor dem eigenen Verlauf und vor dem Training – kein Tresor.

Sicherheitsfunktionen bleiben an: OpenAI schreibt, dass ChatGPT in seltenen, heiklen Situationen begrenzt auf Informationen aus früheren Gesprächen zurückgreifen kann, um sicherer zu antworten – auch wenn Erinnerungen und Personalisierung ausgeschaltet sind.

Vorsicht bei GPTs mit Zusatzdiensten: Nutzt du im temporären Chat einen GPT, der Daten an einen externen Dienst schickt, gelten für diese Daten die Regeln des Drittanbieters. Der darf sie laut OpenAI auch länger als 30 Tage behalten.

Firmen- und Schulkonten: Arbeitest du mit einem Konto deines Arbeitgebers oder deiner Uni, haben deren Vorgaben Vorrang. Bei Enterprise-Konten können Temporär-Chats für Compliance-Zwecke 30 Tage lang abrufbar sein.

Und das Wichtigste: Passwörter, PINs, TANs, vollständige Kontodaten oder Ausweisnummern gehören in überhaupt keinen Chat – auch nicht in einen temporären. Wenn du deine Gespräche generell nicht fürs Training hergeben willst, kannst du das zusätzlich in den Einstellungen unter Datenkontrollen abschalten („Das Modell für alle verbessern“). Dann bleibt dein normaler Verlauf erhalten.

Fazit

Der temporäre Chat ist ein einfacher Schalter für mehr Ordnung und etwas mehr Privatsphäre: kein Verlauf, kein Training, keine neuen Erinnerungen. Nur ein Zaubermantel ist er nicht – was wirklich geheim ist, bleibt am besten in deinem Kopf.

Das Karussell zum Durchklicken

Quellen

Mehr KI-Wissen, einfach erklärt: Jede Woche das Wichtigste kompakt in deinem Postfach. Hier kostenlos für den Newsletter anmelden.

Bilder: Titelbild KI-generiert, Stockfotos: Unsplash