Eine KI-Firma will einen Teil ihres Vermögens für Menschen einsetzen, deren Arbeit durch KI unsicher wird. Anthropic, die Firma hinter dem Chatbot Claude, hat angekündigt, 5 Prozent ihrer Aktien in einen eigenen Gemeinwohl-Fonds zu stecken. Das klingt nach sehr viel Geld, ist aber bisher vor allem ein Versprechen – hier erfährst du, was dahintersteckt und was noch offen ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic will 5 Prozent seiner Aktien in den neuen „Anthropic Public Benefit Fund“ geben. Die Aktionäre müssen noch zustimmen.
- Gemessen an der Bewertung vom Mai 2026 (965 Milliarden Dollar) wären das rechnerisch rund 48 Milliarden Dollar.
- Ein mögliches Einsatzfeld: Menschen, deren Jobs durch KI ins Wanken geraten. Lobbyarbeit und Parteispenden sind ausgeschlossen.
- Wer wann wie viel Geld bekommt, ist noch nicht festgelegt.
Was ist passiert?
Am 18. Oktober 2026 hat Anthropic in einem Blogbeitrag den „Anthropic Public Benefit Fund“ vorgestellt, also einen Gemeinwohl-Fonds. Er soll zunächst 5 Prozent aller Anthropic-Aktien bekommen – vorausgesetzt, die bisherigen Anteilseigner sind einverstanden.
Zur Einordnung: Bei der letzten Finanzierungsrunde im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Milliarden Dollar bewertet. 5 Prozent davon sind rechnerisch rund 48 Milliarden Dollar. Das ist ein Wert auf dem Papier, kein Geld auf einem Konto. Steigt oder fällt der Firmenwert, ändert sich auch der Wert des Pakets.
Wie soll der Fonds funktionieren?
Der Fonds wird keine klassische Stiftung, sondern eine eigene Firma (eine LLC), die vollständig Anthropic gehört. So will sich das Unternehmen offenhalten, auf welche Art es Geld weitergibt. Genannt werden zum Beispiel große Spenden an gemeinnützige Organisationen oder direkte Zahlungen an bestimmte Gruppen von Menschen. Fest ist bisher nur eine Grenze: Keine der Aktien im Fonds darf für Lobbyarbeit oder politische Spenden verwendet werden – weder in den USA noch anderswo.
Dazu kommt ein Wachstumsmechanismus: Für jede Steigerung des Firmenwerts um 50 Prozent über einen bestimmten Ausgangswert kann der Verwaltungsrat nach eigenem Ermessen weitere 2 Prozent der Aktien in den Fonds geben. Diesen Ausgangswert hat Anthropic noch nicht verraten. Die Firma vergleicht das selbst mit den Aktienpaketen, die Tech-Konzerne ihren Chefs versprechen, wenn der Wert steigt – nur dass hier die Allgemeinheit profitieren soll.
Als ein Beispiel für den Einsatz nennt Anthropic die Folgen von KI für den Arbeitsmarkt. Für Forschung zu diesem Thema hatte die Firma schon früher 200 Millionen Dollar zugesagt. Zusammen mit älteren Zusagen der Gründer (sie wollen 80 Prozent ihrer Anteile spenden) und einem Spendenprogramm für Beschäftigte sollen so rund 20 Prozent aller Anthropic-Aktien dem Gemeinwohl gewidmet sein.
Warum gerade jetzt das Jobs-Thema?
Zwei Tage vor der Ankündigung hat Anthropic einen Bericht über die eigene Belegschaft veröffentlicht. Darin steht: Unter den neu eingestellten Leuten in technischen Abteilungen ist der Anteil von Berufseinsteigern von 27 auf 9 Prozent gefallen. Der Anteil von Junior-Kräften an allen technischen Mitarbeitenden sank von 21 auf 14 Prozent. Gleichzeitig arbeiten bei Anthropic KI-Agenten inzwischen nach Firmenangaben sechsmal so viele Stunden wie die Menschen, die sie steuern.
Wichtig für die Einordnung: Anthropic baut keine Stellen ab, die Firma wächst insgesamt weiter, auch im technischen Bereich. Es geht um Anteile. Trotzdem zeigt der Bericht, wo es eng werden könnte: beim Einstieg ins Berufsleben. Der Bericht selbst hält fest, dass Schutzregeln für Beschäftigte niemandem helfen, der gar nicht erst eingestellt wird.
Was bedeutet das für dich in Deutschland?
Direkt erst einmal nichts. Ob Geld aus dem Fonds auch außerhalb der USA ankommen wird, hat Anthropic nicht gesagt. Das Thema dahinter betrifft dich aber sehr wohl: Der Internationale Währungsfonds schätzte schon 2024, dass weltweit fast 40 Prozent der Jobs von KI betroffen sein könnten, in reichen Industrieländern wie Deutschland sogar rund 60 Prozent. Betroffen heißt dabei nicht automatisch ersetzt – KI kann Arbeit auch ergänzen. Wer gerade ins Berufsleben startet, sollte die Entwicklung bei Einstiegsjobs im Blick behalten.
Was ist noch unklar – und was sagen Kritiker?
Eine ganze Menge. Offen ist, wer im Fonds entscheidet, wer Geld bekommt, wann die ersten Zahlungen fließen und wie die Aktien überhaupt zu Geld gemacht werden. Weil der Fonds komplett Anthropic gehört, ist er nur so unabhängig wie seine Regeln – und die sind noch nicht veröffentlicht. Anthropic will Details zu Aufbau und Aufsicht „in den kommenden Monaten“ nennen.
Dazu kommt der Zeitpunkt: Laut Bloomberg und WirtschaftsWoche plant Anthropic seinen Börsengang im November. Die WirtschaftsWoche merkt an, dass der Gemeinwohl-Vorstoß kurz vor diesem Schritt nicht ganz ohne Eigennutz sein dürfte. Und Elon Musk, Chef des Konkurrenten xAI, empfahl öffentlich, die Aktien lieber direkt an die Bevölkerung zu verschenken.
Wie geht es weiter?
Als Nächstes müssen die Aktionäre zustimmen. Danach will Anthropic die Regeln des Fonds und die Bewertungsschwellen für weitere Aktien vorlegen und einen Bericht zu seinen Gemeinwohl-Zielen veröffentlichen. Den genauen Termin für den Börsengang hat die Firma selbst nicht bestätigt; der November-Termin stammt aus Medienberichten. Kleiner Hinweis am Rande: Das hier ist Berichterstattung über ein Unternehmen, keine Anlageberatung.
Fazit
48 Milliarden Dollar für Menschen, deren Jobs durch KI wackeln – auf dem Papier ist das eine beeindruckende Zahl. Ob daraus echte Hilfe wird, entscheidet sich erst, wenn klar ist, wer das Geld bekommt und wann. Bis dahin gilt: Versprechen sind gut, Überweisungen sind besser.
Das Karussell zum Durchklicken







Quellen
- Anthropic – Investing in the public benefit (18.10.2026)
- Anthropic – How employment is changing at Anthropic (16.10.2026)
- BBC – Anthropic says it will commit 5% of its shares to ‚public benefit fund‘ (19.10.2026)
- CNBC – Anthropic commits 5% of shares to new public benefit fund that could address AI job disruption (18.10.2026)
- The Detroit News / Reuters – Anthropic to commit 5 percent of shares to ‚public good‘ (18.10.2026)
- The Economic Times – Anthropic’s new fund could help address AI’s impact on jobs and workers (19.10.2026)
- Technology.org – Anthropic Commits 5% Stake to Public Benefit Fund (19.10.2026)
- Dr. Web – Anthropic will 5 Prozent seiner Aktien in einen Fonds für das Gemeinwohl geben (19.10.2026)
- eWeek – Anthropic sagt 5 % seiner Anteile einem Fonds für das Gemeinwohl zu, während der Börsengang näher rückt (18.10.2026)
- WirtschaftsWoche – Anthropic-Börsengang: Was hinter dem Gemeinwohl-Vorstoß steckt (19.10.2026)
- WirtschaftsWoche – Anthropic vor dem IPO: KI-Firma Anthropic droht wohl bei Börsengang geringere Bewertung (16.10.2026)
- Bloomberg – Anthropic Targets Mega-IPO Before Thanksgiving Holiday (01.10.2026)
- Fello AI – Anthropic IPO: Date, Valuation & How to Buy the Stock (08.10.2026)
- Mint – AI automation reshapes recruitment as Anthropic sees entry-level hiring drop to 9% (18.10.2026)
- ETHRWorld – Anthropic sees junior tech hires’ share fall from 27% to 9% amid growing AI adoption (19.10.2026)
- Channel Insider – Anthropic Proposes 5% Stake for Public Benefit Fund (19.10.2026)
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Bilder: Titelbild KI-generiert