Ein Typ baut Adobe mit KI nach

Titelfolie: Ein Typ baut Adobe mit KI nach

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Photoshop, Premiere, Lightroom – und alles ohne Abo? Genau das verspricht ein Entwickler aus Atlanta, der sich von der KI Claude in wenigen Tagen sieben kostenlose Kreativ-Programme hat schreiben lassen. Warum das spannend ist, wo der Haken liegt und worauf du beim Download unbedingt achten musst, liest du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Brandon Thomas (GitHub: @echelon) hat sieben kostenlose Open-Source-Apps veröffentlicht, die Adobe-Programme wie Photoshop, Premiere Pro und Lightroom nachbauen.
  • Den Großteil des Codes hat laut Thomas die KI Claude Opus 5.5 geschrieben – die ersten Projekte entstanden am 30. September, Anfang Oktober war alles online.
  • Die Apps laufen auf Windows, Mac und Linux, sind aber noch frühe Testversionen mit spürbaren Lücken.
  • Lade sie nur über getartcraft.com oder GitHub (github.com/storytold) – es gibt bereits Nachahmer-Seiten und falsche Download-Angebote.

Was wurde gebaut?

Unter dem Namen „Crafting Apps“ hat das Projekt ArtCraft sieben Programme veröffentlicht, die jeweils ein bekanntes Adobe-Werkzeug nachahmen: PhotoCraft (Photoshop), LightCraft (Lightroom), VectorCraft (Illustrator), FilmCraft (Premiere Pro), EffectCraft (After Effects), DesignCraft (InDesign) und PdfCraft (Acrobat Pro). Letzteres hieß in der ersten Ankündigung übrigens noch PrintCraft.

Die Idee: Wer Adobe kennt, soll sich sofort zurechtfinden. Menüs, Werkzeuge und Tastenkürzel orientieren sich deshalb stark am Original. PhotoCraft kann zum Beispiel mit Ebenen, Masken und echten PSD-Dateien umgehen. Alle Apps sind kostenlos, brauchen kein Konto und kein Abo und stehen unter den freien Lizenzen MIT bzw. Apache 2.0 – du darfst den Code also anschauen, verändern und weitergeben. Neben Windows, macOS und Linux gibt es sogar eine Version, die im Browser läuft. Inzwischen hat das Team außerdem Nachbauten von Word, Excel und PowerPoint angekündigt.

Wer steckt dahinter?

Brandon Thomas ist Softwareentwickler aus Atlanta und nach eigenen Angaben seit rund 15 Jahren im Geschäft. Zuvor hat er die KI-Firmen Storyteller.ai und FakeYou gegründet. Sein Antrieb ist ziemlich menschlich: Er sei, so Thomas, einmal zu oft über Adobes Kündigungsgebühr gestolpert. Zur Einordnung: Adobe war genau wegen solcher versteckten Gebühren in den USA verklagt worden und hat sich laut it-daily im März 2026 auf einen Vergleich über 150 Millionen US-Dollar geeinigt, ohne Schuld einzugestehen.

Ob Thomas allein arbeitet, ist übrigens nicht ganz klar. Ein Bericht spricht von „nur ihm und einem KI-Agenten“, andere Medien zitieren ihn mit dem Hinweis, dass ein Team hinter dem Projekt steht. Finanzieren will er das Ganze über das eigentliche ArtCraft-Geschäft: ein KI-Studio, in dem man Guthaben für Bild- und Video-KIs kauft.

Wie funktioniert das mit der KI?

Thomas hat die Programme nicht Zeile für Zeile selbst getippt. Er hat Claude Opus 5.5 von Anthropic beschrieben, was gebaut werden soll, und die KI hat den Code in der Programmiersprache Rust geschrieben. Man nennt diese Arbeitsweise auch „Vibe Coding“: Der Mensch gibt die Richtung vor und prüft, die KI liefert den Großteil der Arbeit. Laut Ars Technica bezeichnet Thomas die Apps als „Clean-Room“-Nachbauten. Das heißt: Sie sollen nur nachmachen, was Adobe-Programme tun, ohne Adobes geheimen Code zu verwenden. Ob das rechtlich wasserdicht ist, hat bisher niemand unabhängig geprüft.

Ein nettes Detail: Jede Funktion der Apps lässt sich auch per Befehl auslösen. Damit kann nicht nur ein Mensch klicken, sondern auch ein KI-Assistent die Programme fernsteuern, zum Beispiel um hundert Fotos automatisch zu bearbeiten.

Was kann man daraus lernen?

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie stark KI das Programmieren verändert. Für eine Software, die aussieht wie Photoshop, brauchte man früher große Teams und viel Zeit. Heute schafft eine einzelne erfahrene Person mit KI-Hilfe in Tagen eine erste Version. Die Community feiert das: PhotoCraft sammelte laut linuxcompatible.org innerhalb von rund zehn Tagen etwa 43.000 Sterne auf GitHub – so etwas wie Likes für Software.

Thomas selbst geht noch weiter und verkündet: „Software is over.“ Seine These: Bald kann jeder kostenlose Kopien teurer Programme bauen. Das ist bewusst steil formuliert. Die wichtigste Lehre ist eher: Eine schicke Oberfläche nachzubauen geht mit KI erstaunlich schnell. Software, auf die sich Profis jeden Tag verlassen können, ist eine ganz andere Liga.

Haken und Grenzen

Und damit sind wir bei den Haken. Selbst das Projekt sagt offen, dass PhotoCraft eine frühe Testversion („early alpha“) ist und Photoshop für die tägliche Profiarbeit noch nicht ersetzt. Die meisten anderen Apps gelten sogar nur als „in Entwicklung“. Tester berichten von Fehlern: Bei TechRadar konnte PhotoCraft keine HEIC-Fotos öffnen, wie sie iPhones machen, und hatte Probleme beim Speichern. FilmCraft fehlten wichtige Schnittfunktionen. Auch Thomas‘ Ankündigung, in einem Monat alle Funktionen der Originale zu erreichen, hat er später selbst relativiert: Das dauere eher Monate.

Mindestens genauso wichtig ist die Sicherheit. Mit dem Hype tauchten schnell inoffizielle Seiten und Kopien auf, darunter Download-Portale mit ähnlich klingenden Namen und GitHub-Seiten, die nicht zum echten Projekt gehören. Solche Angebote können alte Versionen oder im schlimmsten Fall Schadsoftware enthalten. Lade die Apps deshalb nur über getartcraft.com oder über github.com/storytold. Die Apps sind kostenlos – wer Geld oder einen Lizenzschlüssel will, ist nicht echt.

Fazit

Adobe muss heute noch nicht zittern, aber dieses Projekt zeigt, wie schnell KI aus einer Wut-Idee echte Software macht. Zum Ausprobieren und Staunen sind die Crafting Apps prima. Für wichtige Projekte bleibst du vorerst lieber beim Bewährten – und lädst bitte nur von den offiziellen Seiten.

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Quellen

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Bilder: Titelbild KI-generiert (Canva), Inhaltsfotos: Unsplash